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 Alchemistisches Symbol für das Metall Quecksilber und den Planeten Merkur.Alchemistisches Symbol für das Metall Quecksilber und den Planeten Merkur.

Bergbau in der Nordpfalz

Sagen vom Lemberg

Vom Bergbau am Lemberg sind drei schöne Sagen überliefert, die alle einen gewissen wahren Kern enthalten:

 

- Drei Züge

- Die Geiskammer

- Ernesti Glück

 

Drei Züge

Es war einmal vor vielen Jahren ein Ritter auf der Ebernburg, der hatte all sein Hab und Gut durchgebracht, daß er mit Weib und acht Kindern schier hungern mußte. Das ging ihm schwer zu Herzen.

Da ging er einst auf den Lemberg in den Wald und sah auf einem Baumstrunk Einen sitzen, der ihn hell verlachte, weil er so betrübt aussah. Der arme Ritter ward grimmig und drohte mit dem Bogen, aber der Gesell lachte nur ärger. Der Ritter zielte und schoß. Der Andere stand auf, warf ihm den Pfeil zurück und sagte: »Ihr seid ein schlechter Schütze, gebt mir Euern Bogen her.« Dem Ebernburger ward etwas unheimlich, doch reichte er den Bogen hin. Jener nahm eine rothe Hahnenfeder vom Hut, legte sie auf, schoß aufs Gerathewohl in den Wald hinein, und ein mächtiger Rehbock stürzte getroffen zusammen. »Füttert Eure hungernden Würmer damit!« sagte der seltsame Schütze. Der Ritter stand kreidebleich und war keines Wortes mächtig. »Wollt Ihr den Bock nicht,« sprach jener, »sagt's nur, so mag er wieder davon laufen. Soll ich Euch helfen?« »Ja, hilf, wenn du kannst!« rief der Ebernburger wie bethört.

»Ich weiß eine Quecksilberader,« sprach der Unheimliche, »die kann Euch zum reichen Mann machen, aber ich muß etwas dafür haben.« Er griff in's Gras, rupfte drei Halme ab und fuhr fort: »Da sind drei Züge, thut einen davon. Ziehet Ihr den großen Halm, so seid Ihr selbst mein eigen; ziehet Ihr den mittleren, so ist's Euer Weib; ziehet Ihr den kleinsten, so sind's Eure Kinder.« Dem Ritter schwindelte, denn er wußte nun, wen er vor sich hatte, und doch zog es ihm ordentlich die Hand zu den drei Halmen. Schon berührte er sie, da zuckte er zusammen und rief: »Heiliger Gott, erbarme dich mein!« Da that's einen Donnerschlag, daß der ganze Lemberg zitterte, der Ritter bekam eine so gewaltige Maulschelle, daß er trillte und wie ein Kreisel den Berg hinunter flog. Als er wieder zur Besinnung kam, lag er unten bei seinem verpfändeten Dörflein Feil.

Er faßte indeß Muth, ging in den Wald zurück und fand richtig den alten Baumstrunk wieder, aber weder den mit der Hahnenfeder, noch den todten Rehbock dabei. Die Stelle merkte er sich wohl, nahm des andern Tages Bergleute von Bingart mit, grub nach und fand die reiche Quecksilberader. Die Grube verkaufte er dem Rheingrafen vom Stein um schweres Geld. Sie heißt heute noch die drei Züge.

Quelle: Schöppner, Alexander: Sagenbuch der Bayerischen Lande 1–3. München 1852–1853, S. 342-344.

 


Stollenmundloch an der Geiskammer am LembergStollenmundloch an der Geiskammer am LembergDie Geiskammer

 

Als im dreißigjährigen Kriege der General Gallas mit seinen Croaten in Kreuznach lag, wohnte zu Bingart eine arme alte Frau, die für eine Hexe galt. Sie hatte nichts als ein elendes Hüttchen und drei Geisen im Vermögen, aber eine bildschöne Tochter. Des Schulzen Sohn liebte das Mädchen, durfte sich's aber vor seinem Vater nicht merken lassen.

Da kamen einst die Croaten über die Nahe herüber und fielen in's Dorf. Das Mädchen lief in den Wald am Lemberg, um seine Mutter zu suchen, die dort die drei Geisen hütete. Im Lemberg aber war eine kleine Felsenhöhle hinter dichtem Gestrüpp, dahinein flüchtete sich die Alte mit ihrer Tochter und den Ziegen. Die Croaten hausten derweilen übel in Bingart, steckten das ganze Dorf in Brand und stachen den Schulzen bis auf den Tod. Der wurde nach der Höhle getragen, und Mutter und Tochter pflegten sein dort auf's eifrigste. Die Leute zogen großentheils von Bingart nach Feil hinüber, der Schulze auch und vergaß gar bald der Wohlthat, die er von den armen Frauen genossen, die nun kein Häuschen mehr hatten und in der Höhle wohnen bleiben mußten.

Mit Schrecken gedachten sie des kommenden Winters, und zu diesem Kummer kam noch die Botschaft, der Sohn des Schulzen müsse eine Andere freien. Als sie einmal so betrübt in der Höhle saßen und weinten, trat plötzlich das kleine Bergmännlein zu ihnen und tröstete sie. Mit einem silbernen Fäustel klopfte dasselbe an die Felswand der Höhle und sagte: »Hier ist euer Reichthum. Gehet hin, zeiget dem Pfalzgrafen an, ihr hättet eine reiche Mine entdeckt, und so er Halbpart gäbe, wolltet ihr's ihm kund thun.« Die Mutter dachte an Ernesti-Glück und ging nach Kreuznach zu des Pfalzgrafen Amtmann. Der sagte den Halbpart zu. In der Höhle wurde darauf geschurft, und siehe da, es war wirklich eine reiche Mine. Der Kurfürst baute der Alten und ihrem schönen Töchterlein ein stattlich Haus, und der Schulze sah's nun gar gern, daß sein Sohn das Mägdlein zum Weibe nahm. Die Halbschied der Grube aber kaufte er Kurfürst um schweres Geld den Leuten ab und betrieb noch am letzten unter den drei Gruben des Lembergs diese Geiskammer, wie sie nach jener Höhle heute noch genannt wird.

Quelle: Schöppner, Alexander: Sagenbuch der Bayerischen Lande 1–3. München 1852–1853, S. 339-340.

 


Ernesti Glück

Ernesti GlückErnesti GlückIn Bingart wohnte vor Zeiten ein Bergknappe, Namens Ernst, der sehr arm, aber dabei fromm und fröhlich, schlicht und recht war und gar artige Liedlein und liebliche Weisen singen konnte. Dabei war er der hübscheste Bursche weit und breit. Der arbeitete in den drei Zügen jahraus jahrein fleißig, doch der Verdienst war gering. Zu Hause hatte er keine Seele, die ihm etwas hätte kochen können, darum aß er sein Stück Brod in der Grube, wenn die andern Knappen zu Mittag heim gingen. In dieser Ruhestunde schlief er einmal ein, und als er erwachte, sah er, daß eine Menge Erz neben ihm lag, das seine Haue nicht abgelöst hatte. Die Andern schalten ihn einen Nimmersatt, der sich keine Ruhe gönne, Ernst aber schwieg stille dazu. Des andern Mittags that er nur, als schlafe er, und sah ein winzig Männlein kommen, das mit Fäustel und Eisen für ihn arbeitete. »Glück auf!« rief er dem Männlein zu. Dieses wollte entfliehen, kam aber doch wieder zurück und sagte ihm, es habe für ihn gearbeitet, weil er so artige Liedlein singe. Und das ging so fort.

Eines Tags that einer der Knappen einen schweren Fall, so daß er nicht mehr recht arbeiten konnte und fortgeschickt werden sollte. Ernst, den der Mann mit Weib und Kindern jammerte, erbot sich, in der Ruhestunde für ihn zu arbeiten, und so durft' er bleiben und zog nach wie vor seinen Lohn. Der gute Berggeist half aber da treulich mit, denn er hatte seine Freude an dem wackeren Knappen.

Bald darauf sang Ernst nicht mehr, sondern war immer betrübt. Er hatte das schönste Mädchen von Hallgarten lieb gewonnen, das ihm jedoch der steinreiche Vater nicht geben wollte, weil er nur ein Bettelbube sei. Das Bergmännlein kam wieder und fragte, warum er so traurig sei. Als ihm der Bursche seine Noth klagte, fragte es wieder, ob er gar kein eigenes Feld besitze. »Nichts als eine Hecke am Lemberg hat mir meine Mutter hinterlassen,« sagte Ernst: »es wächst aber kaum ein Strauch darauf.« Der Berggeist bestellte ihn auf die Nacht, wenn der Mond scheine, damit er ihm das Fleckchen zeige. Ernst kam und das Männlein auch. Als sie an die armselige Hecke kamen, hüpfte das Männlein, klatschte in die Hände und rief einmal über das andere: »Da ist Ernesti Glück.« – Der Bursche meinte, dem Berggeist rapple es hinter der Stirne, der aber sagte: »Du bist reicher, als der Bauer in Hallgarten. Schurfe du morgen für dich, und bald wirst du freien können.« Und so war es auch. Ernst schurfte mit dem grauenden Tage auf sei nem kleinen Eigenthum. Die Knappen lachten darüber, aber bald schwiegen sie und er lachte. Das Erz, das er fand, war reicher als das in den drei Zügen. Der reiche Bauer von Hallgarten schalt ihn keinen Bettelbuben mehr und gab ihm die Tochter mit Freuden. Das Bergmännlein blieb dem Ernst hold, heutiges Tags aber sieht man es bisweilen recht traurig, weil die Grube Ernesti-Glück nicht mehr gebaut wird.

Quelle: Schöppner, Alexander: Sagenbuch der Bayerischen Lande 1–3. München 1852–1853, S. 337-339.